Verkauf und Dankbarkeit

Vernünftig aber nicht herzlos

Manchmal fallen vernünftige Entscheidung schwer. Der Verkauf der Kleinschen Höfe ist eine solche Entscheidung. Sie bedeutet einen Abschied für die jetzigen Menschen in den Kleinschen Höfen, aber auch für mich der ich auf dem Gelände aufgewachsen bin und für meine Mutter die hier den Krieg erlebt und überlebt hat, und wo sie  immer noch ihre Heimat empfindet.

Sieben Jahre Einzigartigkeit

Wir alle haben hier gemeinsam einen außergewöhnlichen Ort in Darmstadt geschaffen. Sieben Jahre lang waren die Kleinschen Höfe ein Markenzeichen für Kunst und Kunsthandwerk, Werkstätten und Ideenschmieden, schöne Dinge und praktische Gegenstände. Nirgendwo gab es Studenten-WGs mit so eigenwilligen Grundrissen, englischen Tapetenmustern und Kronleuchtern im Flur. Das nachbarschaftliche Zusammenleben hat viele in ihrer Arbeit befruchtet. Mit den Künstlerfesten, den Ausstellungen, Flohmärkten und nicht zuletzt mit den Luminale-Projekten entstanden hier Events, die für das kulturelle Leben der Stadt bedeutsam waren. Die Kleinschen Höfe stehen für Individualität, Kreativität und Einzigartigkeit.

Wohnen in der Stadt

Aber die Kleinschen Höfe sind auch ein großes Areal in Spitzenlage mit einem Gebäudebestand aus der Nachkriegszeit und alter Infrastruktur. Eine nachhaltige Verwertung des Grundstücks ist ohne Abriss und Neubebauung nicht möglich. Die Iber Immobilien GmbH und die Architekten von planquadrat haben ein überzeugendes Konzept entwickelt. Sie schließen an der Elisabethenstraße und der Hügelstraße die Lücken in der Blockrandbebauung. So bleibt die Hofstruktur erhalten. Es wird Wohnformen für die unterschiedlichsten Bedürfnisse geben und auch einige Gewerbeflächen. Die Kleinschen Höfe werden als Wohnprojekt ihre Individualität und Einzigartigkeit bewahren.

Neuorientierung

Für die „Höfler“ steht erst einmal die Suche nach neuen Wohnungen, Werkstätten und Atelierräumen im Vordergrund. Und möglicherweise auch die Trauer, die das Ende eines Lebensabschnitts begleitet. Ich verstehe das. Ich hoffe, dass es jedem Einzelnen gelingt, darin die Chance zu entdecken, die in einem Neubeginn steckt. Die Möglichkeit Ballast abzuwerfen oder sich in eine neue Richtung zu entfalten. Das, was die Kleinschen Höfe waren, wird als lebendig in anderer Form weiter getragen.

Die Sichtbarmachung der Kraft

Bereits vor Sieben Jahren, als die Räume nach dem Auszug des Malerbetriebes verwaist waren, habe ich mich auf die Suche gemacht nach dem was ich als eine besondere Kraft dieses Ortes gespürt habe. Ich nannte sie „die Freude an der Gestaltung und am Aufbruch“. Seinerzeit veranstaltete ich die Ausstellung „Wagnis“ von Almut Blanke und lud Freunde und Künstler ein. Ich wollte von Ihnen erfahren ob das was ich spürte auch Ihnen bekannt vor kommt. Letztendlich ob sie sich vorstellen konnten, das hier in diesen Räumen die Kunst und Kreativität zu Hause sein kann. Das weitere ist bekannt.

Sie bleibt

Ich bin fest davon überzeugt das es zusammen mit dem Bauherren und dem Planungsbüro Planquadrat gelingen wird, diese Kraft auch in den kommenden Neubauten erlebbar und wirksam werden zu lassen. Nicht nur Maler und Bildhauer sind Künstler, sondern jeder Mensch der sich in seiner Biographie entfaltet ist einer. Insofern ist es nicht vermessen für diese kreative Kraft des Ortes in dem Wohnumfeld eine neue Heimat und Wirksamkeit zu sehen.

Dank

Ich bin den Menschen die diesen Ort in den letzten 120 Jahren geprägt haben dankbar. In meiner Lebensspanne waren das Handwerker und Büroangestellte, die Inhaberfamilie und in den letzten sieben Jahren die großartigen Studenten und Künstler mit Ihrem Elan, ihrer Freude und Kreativität. Dies halte ich in Ehren.

Danke.

Hanns-Michael Haldy